Informationen für Hausärztinnen und Hausärzte

Die PROAKTIV-Studie

Das Hauptziel der vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten PROAKTIV Studie ist es, herauszufinden, ob eine frühzeitige, strukturierte Vorausplanung gemeinsam mit den betroffenen Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen in einem gut koordinierten Netz qualitativ besser ist als das bisherige Vorgehen bei fortgeschrittenen Leiden.

Im Kanton Bern gibt es im nationalen Vergleich wenig etablierte koordinierte und strukturierte Zusammenarbeit zwischen den Hausarztpraxen, der Spitex, dem mobilem Palliative Care Dienst und den Spitälern, wenn es um die letzte Lebensphase von Patientinnen und Patienten geht. Gleichzeitig hat dieses Thema an politischem Gewicht gewonnen.

Obwohl die Qualitätsverbesserung das Hauptziel der Studie ist, wird gleichzeitig evaluiert, ob dieses strukturierte und koordinierte Vorgehen die Versorgungskosten beeinflusst. Dabei wird vor allem darauf geachtet, ob eher teure (Notfall)Spitaleinweisungen vermieden werden können, ohne dabei die Qualität der Versorgung zu verschlechtern.

Bei der Studie handelt es sich gleichzeitig um eine Begleituntersuchung des kantonalen Projektes zur Finanzierung eines mobilen Palliative Care Dienstes (MPD).

Deshalb ist es ist uns wichtig festzuhalten, dass mit dem Projekt nicht nur Forschung betrieben wird, sondern es insbesondere eben darum geht, mithilfe der erhobenen Daten die mobilen Palliativdienste (MPD) im Kanton Bern zu evaluieren. Es geht um eine politische Begleitstudie um die Finanzierung auch in Zukunft zu sichern.

Weshalb es sich für Sie lohnt, an der Studie teilzunehmen

  • Mit der Teilnahme an der Studie kann sich die Hausarztpraxis möglicherweise besser auf die kommenden Herausforderungen wie z.B. die zunehmende Anzahl komplex erkrankter Menschen, die zu Hause betreut werden sowie den Hausärztemangel vorbereiten.
  • Mit der Studie soll die Zufriedenheit der Hausärztinnen und Hausärzte, der Patientinnen und der Patienten und ihren Angehörigen in diesen oft komplexen Situationen gestärkt und Stress reduziert werden. Der Aufwand für die Netzwerkarbeit soll erfasst und damit auch politisch genutzt werden können.

Wer kann an der Studie teilnehmen?

Für die Studien werden Hausärztinnen und Hausärzte aus dem Kanton Bern gesucht, welche in Regionen mit vorhandenen mobilen Palliativdiensten praktizieren (Umgebung Stadt Bern, Seeland, Umgebung Thun, Oberaargau).

Was sind die Aufgaben der teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzten?

  1. Sie selektieren Patientinnen und Patienten aus Ihrer Praxis, welche folgende Kriterien erfüllen:
    • Deutschsprachig
    • Volljährig
    • Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung bzw. einem höheren Unterstützungsbedarf (bspw. Spitex, Notfalleinsätze)
    • Betreffend Krankheiten gibt es kein Ausschlusskriterium, die Patientinnen und Patienten sollten jedoch in der Lage sein, einen Fragebogen (mit wenig Unterstützung) selbstständig ausfüllen zu können
    • Sie – und wenn möglich die Spitex- sind verantwortlich für die ambulante Betreuung der Patientinnen und Patienten.
  2. Sie fragen die geeigneten Patientinnen und Patienten an, ob sie an der Studie teilzunehmen möchten und geben ihnen ein Informationsschreiben dazu ab, mit der Bitte um Erlaubnis, dass sich die Studienkoordinatorin mit ihnen in Verbindung setzen darf.
  3. Sie werden mit Ihrer Praxis nach dem Zufallsprinzip in eine Studiengruppe eingeteilt, wobei die eine Gruppe den Patientinnen und Patienten die gewohnte Betreuung anbietet und die andere Gruppe einem strukturierten Vorgehen gemäss Protokoll folgt. In dieser Gruppe erhalten Sie zudem Schulungsunterlagen (kurze Videos und schriftliche Dokumente), welche die Studie und deren Intervention genauer erklären.
  4. Bei Beginn Ihrer Teilnahme an der Studie erhalten sie einen Fragebogen mit Fragen zu Ihrer Person und Ihrer beruflichen Erfahrung. Nach Abschluss einer Patientenbetreuung füllen Sie zudem einen kurzen Fragebogen aus und geben Auskunft darüber, wie Sie die Betreuung beurteilen. Diese Fragen können selbstverständlich auch online oder per Telefon mit der Studienkoordinatorin beantwortet werden.

Es ist uns wichtig, den Aufwand für Sie so gering wie möglich zu halten. Aus diesem Grund wird ein grosser Teil des administrativen Aufwands von unserer Studienkoordinatorin übernommen.

Wer organisiert und finanziert die Studie?

Das Projekt wird im Rahmen des Schweizerischen Nationalfond NFP 74, «Smarter Health Care» – finanziert. Die Zusammenarbeit erfolgt mit dem Universitären Zentrum für Palliative Care am Inselspital Bern, dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) dem Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM), dem kantonalen SPITEX Verband und dem Verein Berner Haus- und Kinderärzte (VBHK).

Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Kontaktperson: Noëmi Lehmann, Studienkoordinatorin: proaktiv.studie@insel.ch, 031 632 57 80.